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Finsterwalder Arbeitersänger lösen sich auf

Die Lausitzer Rundschau vom 03.07.2010 berichtete:

Die Arbeitersänger Finsterwalde haben 38 Jahre die Chorlandschaft der Sängerstadt mitbestimmt. Am Mittwoch fällte die Mitgliederversammlung den Entschluss zur Auflösung. Die Arbeitersänger Finsterwalde, gegründet 1972, haben sich in der Sangeskultur von den anderen Chören in der Region unterschieden - hinsichtlich ihres ausgewählten Liedgutes als auch, was die Vortragsweise betrifft.

Finsterwalder Arbeitersänger

Ihr langjähriger künstlerischer Leiter und seit 2007 auch 1. Vorsitzender, Joachim Walter, umschreibt es so: »Wir haben nicht das tradierte Männerchorlied gepflegt. Die Liedauswahl reichte von volksliedhaften Titeln bis hin zum Schlager. Wir haben vierstimmig, aber auch einstimmig und zweistimmig gesungen. Von Anfang an gehörte eine Instrumentalgruppe zum Chor.« Was von der Bühne kam, gefiel den Leuten - das Publikum geizte nicht mit Beifall.

Öffentliche Auftritte der Arbeitersänger wird es nicht mehr geben. Abgesagt wurden das Tierparkkonzert, der Auftritt beim Moienmarkt am Sonntag, und auch beim Sängerfest Ende August sind die Arbeitersänger nicht mehr dabei. Dass Joachim Walter (63), der auch 1. Bass bei den Erbschleichern und im Singkreis Lausitz sowie Kreischorleiter ist, aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten will, ist dabei nur die halbe Wahrheit.

Der Mitgliederschwund und damit die Überalterung des Chores, der zuletzt auf 16 Sänger zusammengeschrumpft war, waren nicht mehr zu übersehen. »Schon vor zwei Jahren hatten wir ein Durchschnittsalter von 66 Jahren«, so Walter. Junge Stimmen kamen kaum nach. Außerdem gab es zunehmend unterschiedliche Auffassungen zur künstlerischen Ausrichtung. Einige Sänger warfen Joachim Walter, früher jahrelang Singegruppenleiter in Finsterwalde, eine unpassende Liedauswahl vor, was den Chorleiter und 1. Vorsitzenden, dazu veranlasste, seine Funktionen niederzulegen. »Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung stimmten alle für die Auflösung. Es gab auch Tränen«, berichtet Walter, der fast 30 Jahre Chorleiter der Arbeitersänger war. Zu deren sehr guten Zeiten gehörten die Jahre mit den beliebten Schlosspartys, die der einstige Vorsitzende Gerhard Zimmermann ins Leben gerufen hatte und bei denen man trefflich mitsingen, -klatschen und schunkeln konnte. Dazu holten sich die Arbeitersänger zum Teil prominente Gäste auf die Bühne. Die letzte der 15 Schlosspartys fand 2003 in der Sporthalle Tuchmacherstraße statt.

Dass der ein oder andere ehemalige Arbeitersänger auch künftig öffentlich singen wird, sei nicht ausgeschlossen, so Joachim Walter.

Von Heike Lehmann