20. Jubiläum des BCV

Am 16. Juni 1990 wurde in der Sängerstadt Finsterwalde der Brandenburgische Chorverband gegründet. Nach zwanzig Jahren gehören heute rund 8900 Sängerinnen und Sänger in 245 Chören, die in 16 regionalen Sängerkreisen zusammengefasst sind, zum Brandenburgischen Chorverband. Sie werden auf Sängerart singend bei vielfältigen Initiativen und Veranstaltungen das 20. Gründungsjubiläum ihres Chorverbandes würdig begehen.
„Beginn und Aufbau des Brandenburgischen Chorverbandes“
Ein Geleitwort aus der Sicht von Peter Rose, Initiator und Mitgründer des Chorverbandes und dessen Präsident von 1991 bis 2003.Wer erinnerte sich am 9. November 2009 nicht an die Tage vor 20 Jahren, als mit der Maueröffnung auch vieles zu Ende ging, an das wir gewöhnt waren: Kreisarbeitsgemeinschaft Chor, Kreiskabinett für Kulturarbeit, Kultur- und Sozialplan des Partnerbetriebes usw.
Vieles ging uns (die wir mit der Organisation der Chöre auf Kreis- oder Bezirksebene befasst waren) durch den Kopf, denn fast jeder konnte bereits im November/Dezember 1989 erahnen, wie sich die politische Situation verändern würde. Viele Kontakte innerhalb der Kreise, Bezirke und der DDR wurden genutzt, Beziehungen – auch privater Art – in den Westen wurden in Anspruch genommen, um Klarheit über Gesetze, Bedingungen und Strukturen zu erhalten und auch um Partner zu gewinnen.Viele Gespräche, erst einmal unter Gleichgesinnten wurden geführt und es wurde einfach ermittelt, auf wen man bauen konnte und wer mithelfen wollte, eine Organisation auf die Beine zustellen, die den Chören in Brandenburg eine Heimat sein könnte.
Viele Chöre, Chorleiter, Kulturämter, so weit sie noch oder schon existierten mussten informiert werden. Langsam begann sich nach umfangreicher Vorbereitung und nach dem Formulieren einer Satzung und anderer Dokumente abzuzeichnen, dass es zu einer Verbandsgründung kommen könnte. Eigentlich war sich das Gründungskomitee sicher, dass es ein Erfolg werden würde.
So konnte der Gründungstermin auf den 16. Juni 1990 festgelegt werden.
Die Verbandgründung vorbereiten und durchführen, einen Verband (mit bescheidenen 16 Gründungs-mitgliedern – sprich: -Vereinen) ins Leben zu rufen, war die eine Sache. Eine andere Sache war es, den gegründeten Verband für seine wachsende Mitgliederzahl attraktiv zu gestalten sowie den Verband rechtlich und organisatorisch auszufüllen; diese neue Organisation handlungsfähig zu machen.
So wurde bei den großen, bundesweit arbeitenden Dachverbänden (DSB und DAS) angefragt, Konsultationen vereinbart, Angebote zum Beitritt geprüft, Verfahrensweisen, Gesetze, Verordnungen studiert und Erfahrungen eingeholt. Es wurde das praktiziert, was unter der (leider) englischen Bezeichnung „Learning by doing“ zu verstehen ist.
Einen deutschen Spruch haben wir wohl ganz schnell gelernt: „Ohne Moos nix los!“
Es gehörte zu den ganz wichtigen Aktivitäten des Präsidiums des Chorverbandes, sich um die notwendigen Finanzen zu kümmern. Das erste Jahr des Bestehens des BCV konnte fast mit den (noch) vorhandenen Mitteln der Kulturförderung der DDR- Administration überstanden werden. Die DDR hörte am 3. Oktober 1990 auf, zu existieren und andere Zuschussgeber waren zu suchen.
Ein sehr kooperativer Partner war der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des neuen Landes Brandenburg, Herr Dr. Hinrich Enderlein. Natürlich mussten wir erst lernen, wie ein Landeszuschuss zu beantragen ist, welche Bedingungen für die Verwendung des Zuschusses einzuhalten sind usw. Auch dabei wurde das Kulturministerium zu einem verlässlichen Partner.
Doch, wen wundert es: Geld ist nicht alles! Das erste große Ereignis im Verbandsleben war das erste Chorfest des BCV am 8. Juni 1991 in der Sängerstadt Finsterwalde. Doch auch dabei war wieder Geld im Spiel, weil der Verband bei diesem Chorfest durch den Staatssekretär Dr. Dittberner und seine damalige Mitarbeiterin Frau Dr. Ulrike Liedtke den ersten Zuwendungsbescheid mit einem sechsstelligen Betrag erhielt. Zwei Gäste aus dem Partner– Sängerbund Nordrhein-Westfalen (SB NRW) übergaben bei dem abschließenden Empfang des Präsidiums ein Geschenk: Eine Spende in Höhe von 1.000,00 DM!
In der Zwischenzeit war mit der maßgeblichen Initiative des Schriftleiters und ersten Redakteurs des BCV, Leo Wistuba die Nr. 1 unserer Zeitschrift „brandenburg CANTAT“ erschienen. Das Titelblatt zeigt die Generalprobe für das Chorfest in Finsterwalde.
Nach entsprechenden Beschlüssen des BCV- Präsidiums wurden in der Folgezeit die festen Institutionen des Chorverbandes ins Leben gerufen:
- jährliche Chorleiterlehrgänge, schon in der damals noch im Aufbau befindlichen Landesmusik- Akademie in Rheinsberg (heute Bundes- und Landesmusik- Akademie),
- unter der Leitung des Landeschorleiters Prof. Fritz Höft der „Chor der Chorleiter“, aus dem der heutige „Fritz- Höft- Chor“ hervorging und
- jährliche Vorstandslehrgänge für Vereinsvorstände des Chorverbandes.
Einen wichtigen Platz in der Arbeit des Präsidiums nahmen in den ersten 10-12 Jahren der Kontakt und die Zusammenarbeit mit den Gremien des Sängerbundes NRW ein. Die Verbindung mit dem Sängerbund entstand noch vor der Aufnahme des BCV in den Deutschen Sängerbund – als Parallele zur politischen Partnerschaft des Landes Nordrhein-Westfalen zum Bundesland Brandenburg.
Mit dem Wachsen des Brandenburgischen Chorverbandes wurde natürlich auch die Bedeutung dieser landesweiten Organisation größer und die Aufgaben bei der Führung des Verbandes wurden umfangreicher. Leider zog sich gleichzeitig die Politik im Land und auch auf der kommunalen Ebene von ihrer Verantwortung für die Kulturförderung systematisch zurück! Diese negative Entwicklung ist fast in der ganzen Bundesrepublik festzustellen und zeugt von dem nicht mehr vorhandenen Verantwortungsbewusstsein der Politiker.
Diese Feststellung macht traurig, wenn man über 13 Jahre dem Aufbau und der Entwicklung einer so großen (und eigentlich sehr schönen) Aufgabe, wie dem Brandenburgischen Chorverband gewidmet hat.


